So, 24. April 2016

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11:00 Uhr

Matinee

Never Say Anything

Michael Lüders im Gespräch mit Ebru Taşdemir.

Der Autor des aktuellen Bestseller-Sachbuchs Wer den Wind sät und Nahost-Experte Michael Lüders hat auch eine andere Seite. Er schreibt Romane. Dieser ist ein Politthriller, in dem es um die dunkle Seite des US-amerikanischen Drohnenkrieges geht. Lüders bringt hier seine Expertise und einen ausgeprägten Sinn für spannende Fiktion zusammen. Entstanden ist eine höchst aktuelle Auseinandersetzung mit Geheimdiensten und einer entfesselten Moral.

Seine Hauptprotagonistin, die Journalistin Sophie Schelling, sieht während einer Dienstreise – die sie wie immer routiniert antrat – etwas, was sie nie hätte sehen dürfen. Sie ist schlicht und ergreifend zur falschen Zeit am falschen Ort. Die ehrgeizige Journalistin gerät in einen Strudel von Gewissensfragen: Wie weit bist du bereit zu gehen, um die Wahrheit herauszufinden? Würdest du dafür deine Zukunft aufs Spiel setzen? Oder vergisst du lieber, was du erlebt und erfahren hast? Immer tiefer verstrickt sie sich in das Netz eines übermächtigen Gegners, bis aus ihrer Suche ein blutiger Kampf ums Überleben wird.

Die, wenn man so will, Initialen seines Titels (Never Say Anything) deuten an, in welche Richtung die Handlung sich bewegt: NSA.

Lüders beschreibt trotz der politischen Brisanz, in der sich seine Handlung bewegt, scheinbar beiläufig die bilderbuchhafte Schönheit des sogenannten Orients. Ein großer Kontrast zu den Ereignissen in seinem Politthriller.

Hassan Maliki geleitete seine Besucherin zu der Sitzgruppe, die dem Springbrunnen am nächsten stand. Darin schwammen Rosenblätter, ebenso in den mit Wasser gefüllten Schalen auf dem Boden, in denen Duftkerzen brannten. Hölzerne Rundbögen umgaben das Atrium, jede Wölbung mit kalligrafischen Schriftzeichen verziert. Die Rundbögen wiederum ruhten auf geweißtem Lehm. Und jetzt entdeckte Sophie auch die sepiafarbenen Fotografien, die gerahmt auf dem Kaminsims standen, offenbar Familienfotos aus dem vorigen Jahrhundert.

Vögel flogen zwitschernd über ihren Köpfen, leise ertönte im Hintergrund eine melancholische Melodie. «Was für ein Haus», staunte Sophie. «Das hätte ich mir niemals vorstellen können, trotz Ihrer Erzählungen.» «Es freut mich, dass es Ihnen gefällt.» Seine Körperhaltung zeigte dieselbe Unsicherheit, die auch sie selbst empfand. Sie kannten einander kaum und waren doch vertraute Fremde, seit Sophie ihm vor ein paar Monaten Berlin gezeigt hatte. Er bat sie, Platz zu nehmen, und schenkte Pfefferminztee aus großer Höhe in die bereitstehenden Gläser ein, in denen die Flüssigkeit brodelte und schäumte.“

 

Michael Lüders

Michael Lüders

Michael Lüders, Autor und Orientalist, ist häufiger Gast in Hörfunk und Fernsehen. Bei C.H.Beck erschien zuletzt sein viel beachteter Bestseller Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet. Bisher hat er vier Romane und einen Erzählungsband veröffentlicht, darunter Aminas Restaurant (2006).

Ebru Taşdemir

Ebru Taşdemir

Ebru Taşdemir, 1973 geboren, freie Journalistin, studierte Publizistik und Turkologie an der FU Berlin und ist unter anderem die Erfinderin vom Format „Hate Poetry“. Aktuell arbeitet sie bei den Neuen Deutschen Medienmacher.

Termin

So, 24.4.2016, 11:00 Uhr

Ort: Galli Theater | Map
Eintritt: 8 ,-/ erm. 6,- €

Tickets

14:00 Uhr

Literarischer Spaziergang mit Helmut Kuhn

Gehwegschäden

Flanieren in Mitte: Der Autor Helmut Kuhn führt zu den Schauplätzen seines Romans Gehwegschäden und liest daraus vor.

Treffpunkt ist vor dem Soho House, Abschlusslesung im Café Anna Koschke.

Thomas Frantz ist Schachboxer, Flaneur aus Instinkt, freier Journalist ohne Aufträge, am Rande des Existenzminimums. Die Motivation, dem Leben noch eine feste Struktur abzuringen, ist begrenzt. Frantz lässt sich durchs Großstadtleben treiben. Von den Kabbalisten zu den schlaflosen Swingern, von der Demo der Prekarianer in die Wettbüros Neuköllns und den alten Westen, der wortwörtlich abkackt.

Unbarmherzig kommentiert er, was er sieht: das Heer derer, die sich mit Diplom und Aushilfsjobs direkt in die internationalen Märkte hineinträumen und dabei in Streetart, Esoterik und Pecha-Kucha-Nächten einen Rest von Lebenssinn suchen. Er recherchiert die Geschichte der ehemaligen SED-Verwaltungszentrale, zuvor Hauptquartier der Hitlerjugend und davor Kaufhaus jüdischer Geschäftsleute, die von Londoner Heuschrecken mit großzügiger Ignoranz gegenüber den Grausamkeiten der Geschichte in einen Society-Club und Wellnesstempel umgebaut wird. Wie Berlin überhaupt zu einem gewaltigen Spielplatz mutiert ist und sich aufteilt in Zonen von Invitrokindern und verwahrlosten Jugendlichen.
Frantz, der notorische Chronist, seziert mit wachsender Wut, was ihn tagtäglich an Lügen umgibt. Als schließlich die bezaubernde junge Doktorandin Sandra durch sein Leben fegt wie der Hurrikan Katrina, könnte alles noch einmal anders werden.

„Gehwegschäden von Helmut Kuhn ist einer der besten Berlin-Romane der letzten Jahre, atmosphärisch dicht und detailgenau. (…) Gehwegschäden ist wie sein berühmtes Vorbild Berlin Alexanderplatz nicht nur ein Roman über das Lebensgefühl im östlichen Zentrum der Hauptstadt, sondern benutzt dieses Soziotop für einen Gegenwartsbefund, der bei allem Humor nicht unbedingt fröhlich stimmt.“ | Deutschlandfunk Büchermarkt

„Helmut Kuhns Roman verneigt sich vor Berlin Alexanderplatz und liest sich ebenso witzig wie rasant. (…) Es dürften sich kaum mitreißendere, witzigere Darstellungen sozialer Brüche und Zwänge finden lassen als in einigen Passagen dieses Romans.“ | Spiegel Online

Helmut Kuhn

Helmut Kuhn

Helmut Kuhn, geboren 1962, studierte Geschichte und Publizistik in Berlin und Paris. Er arbeitete bei der deutsch-jüdischen Zeitschrift Aufbau in New York und lebt heute als freier Journalist und Autor in Berlin. Kuhn schreibt u.a. für die Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Neue Zürcher Zeitung, Stern, Focus und mare. 2002 erschien sein vielbeachtetes Romandebüt Nordstern. Als Co-Autor verfasste er zusammen mit Murat Kurnaz Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantanamo (2007), über den John Le Carré schrieb: „Der mitfühlendste, ehrlichste und würdevollste Bericht über die Schande Guantanamo, den es je gegeben hat.“ Sein Roman Gehwegschäden erschien im Frühjahr 2012.

© Foto Oliver Kern

Termin

So, 24.04.2016, 14:00 Uhr

Start: Soho-House | Map
Ziel: Café Anna Koschke | Map
Eintritt: 8,-/ erm. 6,- €

Tickets

 

17:00 Uhr

Philosophischer Salon

Nach der Gegenwart

Armen Avanessian im Gespräch mit Thomas Böhm

Wir leben in einer neuen Zeit, die wir (noch) nicht verstehen. Die Tatsache, dass wir heute leben, garantiert noch lange nicht, dass wir in unserer Gegenwart angekommen sind. Das Wesen der Zeit selbst, ihre Richtung, hat sich geändert. Die Zukunft liegt vor der Gegenwart, die Zeit kommt uns aus der Zukunft entgegen. Unsere Schwierigkeiten, im 21. Jahrhundert anzukommen, sind also nicht einfach in einer ständigen Beschleunigung begründet, sondern in dieser neuen spekulativen Temporalität.

Der Freitag schreibt über den kritischen und scharfsinnigen Denker, der zuletzt als Herausgeber des Sammelbandes # Akzeleration für Furore sorgte :
„Zum Interview im beinahe hippen Berlin-Mitte-Café Keyser Soze erscheint Armen Avanessian mit audiophilen Bowers & Wilkins-Kopfhörern an den Ohren. Es ist bekannt: Zu wissenschaftlichen Vorträgen zieht er manchmal bequeme Hoodies an. Im Herbst 2013 bloggte er im Netz auf den sehr trendy #60pages über Denis Diderot, Katastrophendenken und Schreibblockaden. Der Mann spricht an hektischen Tagen unfassbar schnell. Es wirkt, als hätte er selbst die Geschwindigkeit seiner Denkrichtung aufgenommen. Derzeit erscheint alle fünf Wochen ein Buch von ihm – auf Deutsch, Englisch, Russisch, Holländisch. Er spricht über die Poetik des Präsens, über Phantome des Realen, über das „dringende Bedürfnis nach einem neuen Realismus“.

Armen Avanessian

Armen Avanessian

Armen Avanessian studierte Philosophie, Politische Wissenschaften und Literatur in Wien und Paris. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sonderforschungsbereich „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ und als Lehrbeauftragter am Peter Szondi Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der FU Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind Ästhetik und Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts.

© Foto Dirk Skiba

Thomas Böhm

Thomas Böhm

Thomas Böhm, geboren 1968 in Oberhausen, war Programmleiter des Literaturhauses Köln, des internationalen literaturfestivals berlin, des Ehrengastauftritts Islands bei der Frankfurter Buchmesse 2011 und Kurator von „Auftritt Schweiz“ an der Leipziger Buchmesse 2014. Er veröffentlichte zahlreiche Audiobücher und Hörspiele sowie Bücher über Social Reading und Lesungen als Kunstform. Seit 2013 arbeitet er als Moderator der Sendung Die Literaturagenten bei radioeins

Termin

So, 24.4.2015, 17:00 Uhr

Ort: Galli Theater| Map
Eintritt: 8,- / erm. 6,- €

Tickets

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