Sa, 23. April 2016

« zurück zur Übersicht

14:00 Uhr

FÄLLT LEIDER KRANKHEITSBEDINGT AUS!

DADA-Spaziergang mit Thomas Böhm

Frauen weinten, Unordnung wurde erregt

Am 17. November 1918 kam es im Berliner Dom zu einer der spektakulärsten dadaistischen Aktionen, als der „Oberdada“ Johannes Bader in der vollbesetzten Kirche den Oberhofprediger bei seiner Predigt mit den Worten unterbrach: „Was ist Ihnen Jesus? Er ist Ihnen wurscht.“ Daraufhin kam es zum Tumult, Frauen weinten, die Staatsanwaltschaft schritt ein…

Wir schreiten vom Dom durch Mitte. Einiges im Gepäck. Dadaistische Beiträge beim Mitgehen herzlich willkommen!

Thomas Böhm

Thomas Böhm

Thomas Böhm, geboren 1968 in Oberhausen, war 1999 bis 2010 Programmleiter des Literaturhauses Köln, 2012 bis 2014 des internationalen literaturfestivals berlin, 2011 des Ehrengastauftritts Islands bei der Frankfurter Buchmesse und 2014 während der Leipziger Buchmesse Kurator von Auftritt Schweiz.

Termin

Sa, 23.4.2016, 14:00 Uhr

Startpunkt: Berliner Dom, Lustgarten | Map
Einritt: 8,-/ erm. 6,- €

Tickets

19:00 Uhr

Buchpremiere

Made in Germany.
Was ist deutsch in Deutschland?

Jagoda Marinić im Gespräch mit Christian Stahl

Die in Kroatien geborene deutsche Autorin und Kolumnistin liefert einen politisch-poetischen Debattenbeitrag über ein Einwanderungsland, das nie eines sein wollte. Zornig, aber auch voller Hoffnung geht sie der Leitfrage nach: Willkommenskultur schön und gut, aber wie steht es mit der Integrationskultur? 16 Millionen sogenannte Neue Deutsche leben in der Bundesrepublik. Wie unterscheidet sich ihr Schicksal von dem der heutigen Einwanderer? Wiederholen wir die Fehler der Vergangenheit?

Marinić wirft bereits oft gestellte Fragen neu auf, um sie aus ihrer ganz eigenen Perspektive anzugehen, dabei machen die Erfahrungen aus ihrer Familiengeschichte einen entscheidenden Einfluss aus: Was ist heute deutsch in Deutschland? Was ist warum rassistisch? Wieso sind Begriffe wie „Migrationshintergrund“ oder „bildungsferner Haushalt“ eher konstruierte Stigmata statt nüchterne Beschreibung der Faktenlage? Wie bunt sind deutsche Städte wirklich? usw.

Mit ihrer Analyse liefert sie zugleich eine kritische Bestandsaufnahme für die Entwicklung Deutschlands als Einwanderungsland. Auch wenn sich in der jüngeren Vergangenheit einige Dinge zum Positiven verändert hätten, seien viele wichtige Chancen nicht ergriffen worden.

„In den letzten zehn Jahren hätte einiges geschehen können. Deutschland fing an, über Migration nachzudenken und welche Rolle sie spielt. Die zweite und dritte Generation wurde hier ausgebildet und oft eingebürgert, es war höchste Zeit, ein überreifer Diskurs also. Doch in den letzten zehn Jahren hat der deutsche Integrationsdiskurs über Migrantenmilieus vor allem den Migrationshintergrund hervorgebracht und das Problem von den bildungsfernen Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund etabliert. Statt endlich mit einem Schlag von einem neuen Selbstbewusstsein meiner Generation zu hören, ein Wir!sind!hier!, wurde uns wieder ein dicker Strich durch die Erfolgsgeschichte gemacht. Ich schreibe hier im Passiv, denn selbst der Integrationsdiskurs wurde für uns geführt, am populärsten von Deutschen mit nicht ganz deutsch klingenden Namen (Sarrazin, Buschkowsky).“

Anhand des berühmten – in einem anderen Zusammenhang entstandenen – Zitats von Helmut Schmidt „Wer Visionen hat, der soll zum Arzt“ zeigt sie den Unterschied zwischen einem verklemmten und einem offenen Einwanderungsland auf, Deutschland und die USA: Hier lache man respektvoll nickend über das abgeklärte Zitat des Altkanzlers. „In den USA würde dieser Spruch eher belächelt. Dort ist jedem noch so kleinen Kind klar: Ohne Visionen gäbe es die Vereinigten Staaten so nicht. Es gäbe die Menschen nicht, die das Land berühmt gemacht haben, genauso wenig wie jene, die es ruhmlos aufgebaut haben.“

Jagoda Marinić

Jagoda Marinić

Jagoda Marinić, in Kroatien geboren, deutsche Autorin und Kolumnistin. Ihr Erstling Eigentlich ein Heiratsantrag (2001) war ein großer Erfolg bei Kritik und Publikum. Für den Erzählband Russische Bücher (2005) erhielt sie den Grimmelshausen-Förderpreis, ihr Roman Die Namenlose wurde vom Spiegel zu den wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 2007 gezählt. Nach Aufenthalten in Zagreb, Split, New York und Berlin lebt Jagoda Marinić derzeit in Heidelberg, wo sie das Kulturprogramm des bundesweit ersten International Welcome Center leitet. 2013 erschien ihr Roman Restaurant Dalmatia, der jetzt als Atlantik Taschenbuch herauskommt. Made in Germany ist im Frühjahr 2016 erschienen.

© Foto: crisbeltran.com

Christian Stahl

Christian Stahl

Christian Stahl, geboren 1970 in Köln, ist gelernter Journalist, studierte Literaturwissenschaft und Geschichte und arbeitete viele Jahre beim Radio und Fernsehen. 2005 gründete er eine Agentur für Kommunikation. Er dreht Filme, coacht, lehrt andere, ihre Geschichten zu erzählen, und erzählt selbst. Zuletzt veröffentlichte er bei HoCa In den Gangs von Neukölln, die Geschichte des ehemals jüngsten Berliner Intensivstraftäters Yehya E.

Termin

Sa, 23.4.2016, 19:00 Uhr

Ort: Galli Theater | Map
Eintritt: 8,-/ erm. 6,- €

Tickets

21:00 Uhr

I Saw a Man

Owen Sheers im Gespräch mit Thomas Böhm

Michael verliert seine Frau. Sie kommt als Journalistin während eines Auslandsdrehs in Afghanistan ums Leben. Der frisch verwitwete Mann hält es im gemeinsamen Haus in Wales nicht mehr aus. Er zieht nach London, um ein neues Leben zu starten. Dort lernt er die vierköpfige Familienidylle der Nelsons kennen, Josh, Samantha und ihre zwei Töchter. Schnell verbindet beide Seiten eine intensive Freundschaft. Wie selbstverständlich geht Michael bei den Nelsons ein und aus. Alles fühlt sich gut an, bis er denkt, dass etwas passiert sei und deshalb den entscheidenden Schritt macht…

„Der Vorfall, der ihrer aller Leben veränderte, ereignete sich an einem Samstagnachmittag im Juni, kurz nachdem Michael Turner – in der Annahme, es sei niemand da – das Haus der Nelsons durch die Hintertür betreten hatte. London ächzte unter einer Hitzewelle. Überall im South Hill Drive standen die Fenster offen, und das Blech der Autos war so heiß, dass die Schweißnähte in der Sonne knackten.“

I saw a Man ist ein tiefgreifender, packender Roman über Verlust, Schuld und die heimtückische Natur von Geheimnissen.

„Das Ende ist so überraschend wie der ganze, wunderbar komponierte, geheimnisvolle Roman. Hier trifft Ian McEwan auf Paul Auster – ein großer Wurf.“ NDR Kultur, Stefan Maelck

Die Idee der gemeinsamen Lesung mit Tom Wlaschiha entstand, weil der heute vor allem aus der Serie Game of Thrones bekannte Schauspieler 2011 in dem Film Resistance die Hauptrolle spielte, für die Sheers die Romanvorlage lieferte.

Veranstaltung in deutscher und englischer Sprache.

Owen Sheers

Owen Sheers

Owen Sheers, geboren 1974 in Fidschi, lebt nach einer Zeit in London heute wieder in Wales, wo er auch aufgewachsen ist. Vielseitig talentiert, lässt er sich nur schwer auf eine Form festlegen – zu seinen publizierten Werken zählen Dramen, Libretti, Gedichte und ein Sachbuch. Der Debütroman „Resistance“ wurde in zehn Sprachen übersetzt und mit Michael Sheen in der Hauptrolle verfilmt. Sheers wurde u.a. mit dem Somerset Maugham Award, der Hay Festival Poetry Medal und dem Amnesty International Freedom of Expression Award ausgezeichnet. „I Saw a Man“ ist sein zweiter Roman und für den französischen Prix Femina étranger nominiert.

Tom Wlaschiha

Tom Wlaschiha

Der Schauspieler Tom Wlaschiha, geboren 1973 in Dohna, absolvierte nach dem Abitur an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig seine Schauspielausbildung. Es folgten verschiedene Engagements an unterschiedlichen deutschen Theatern und erste Rollen vor der Kamera, u.a. im Jahr 2000 im Tatort. In dem Kinofilm Verliebte Jungs spielte er neben Axel Stein und Alexandra Neldel eine seiner ersten Hauptrollen. International bekannt wurde er durch seine Rolle Jaqen H’ghar in der Kultserie Game of Thrones. Er ist professioneller Sprecher für Hörspiel, Synchron und Werbung.

Tom Wlaschiha spielte außerdem 2011 in dem Film Resistance die Hauptrolle. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Owen Sheers. So entstand die Idee der gemeinsamen Lesung für den neuen Sheers-Titel.

© Foto: Monic Schmidheiny

Thomas Böhm

Thomas Böhm

Thomas Böhm, geboren 1968 in Oberhausen, war 1999 bis 2010 Programmleiter des Literaturhauses Köln, 2012 bis 2014 des internationalen literaturfestivals berlin, 2011 des Ehrengastauftritts Islands bei der Frankfurter Buchmesse und 2014 während der Leipziger Buchmesse Kurator von Auftritt Schweiz.

Termin

Sa, 23.4.2016, 21:00 Uhr

Ort: Galli Theater | Map
Eintritt: 8,-/ erm- 6,- €

Tickets

« zurück zur Übersicht