Do, 28. April 2016

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11:00 Uhr

Shared Reading

Das vor über zwanzig Jahren in Liverpool entwickelte und in Großbritannien überaus erfolgreiche Konzept des gemeinsamen Lesens brachten Thomas Böhm und Carsten Sommerfeldt 2015 nach Deutschland. Gerade erst im März stellten sie dieses außergewöhnliche Lese-Erlebnis im Rahmen der Leipziger Buchmesse einem größeren Publikum vor. READ!BERLIN ist das erste Literaturfestival, das Shared Reading zu einem Betsandteil seines Programms macht.

Und so funktioniert’s: Gemeinsames Lesen einer Kurzgeschichte und eines Gedichtes mit ausreichend Zeit für ihre Wirkung. Literatur als sinnliche Erfahrung in kleiner Runde, in der besprochen wird, was man individuell wahrgenommen hat, aktiv teilnehmend oder einfach nur zuhörend.

Thomas Böhm

Thomas Böhm

Thomas Böhm, geboren 1968 in Oberhausen, war 1999 bis 2010 Programmleiter des Literaturhauses Köln, 2012 bis 2014 des internationalen literaturfestivals berlin, 2011 des Ehrengastauftritts Islands bei der Frankfurter Buchmesse und 2014 während der Leipziger Buchmesse Kurator von Auftritt Schweiz.

Termin

Do, 28.4.2016, 11:00 Uhr
Ort: Galli Theater | Map
Eintritt frei

14:00 Uhr

Literarischer Spaziergang mit Helmut Kuhn

Der Passfälscher

von Samson Schönhaus

Der jüdische Berliner Samson „Cioma“ Schönhaus, musste sich von 1942 bis 1943 vor dem NS-Regime im Untergrund verstecken. Der junge Mann fälschte von dort aus Ausweispapiere, wodurch er Hunderten Todgeweihten das Leben rettete, bis er 1943 selbst seine Heimat verlassen musste, weil man ihn suchte. Er floh auf dem Fahrrad in die Schweiz – mit selbstgemachten Ausweispapieren. Bewundernswert, wie dieser Mensch hartnäckig und mutig dem faschistischen Regime trotzte. Der Schriftsteller Helmut Kuhn (Gehwegschäden, s. 24.4.) zeigt die Orte, aus den in Buchform erschienenen, anekdotenreich und ironisch geschriebenen Erinnerungen von Schönhaus. Sie sind engmaschig komponiert, klingen fast unglaublich und werden von ihm sehr spannend geschildert.

Fesselnd und zuverlässig berichtet er beispielsweise, wie er sich als 20-Jähriger täglich durchschlagen musste und dabei sogar die Stirn besaß, sich von dem verdienten Geld, mit dem er als Verfolgter ansonsten nicht viel anfangen konnte, eine kleine Segeljacht auf dem Wannsee zu kaufen. Er begegnete vielen ebenfalls in Not geratenen Menschen, u.a. Renate, der Tochter des Theologen Jochen Klepper, die sich der Deportation zusammen mit ihren Eltern durch Selbstmord entziehen sollte, und der berüchtigten Stella Goldschlag, die als sog. U-Boot Juden in ihren Verstecken an die Gestapo verraten musste.

Helmut Kuhn, selbst Schriftstelller, zeigt Orte aus dem Buch von Schönhaus und liest daraus.

Samson „Cioma“ Schönhaus

Samson „Cioma“ Schönhaus

Samson „Cioma“ Schönhaus, geb. 1922 in Berlin, Eltern kamen 1920 aus Minsk nach Berlin, nachdem sein Vater aus der Roten Armee desertiert war. Schönhaus wuchs zunächst im Berliner Scheunenviertel auf. Von 1926 bis 1927 hielt sich die Familie in der Nähe von Haifa (Palästina) auf, kehrte aber dann nach Berlin zurück. 1940 besuchte er ein Jahr lang eine Kunstgewerbeschule. Von 1941 an musste er unter anderem in einem Rüstungsbetrieb arbeiten. Nach der Deportation seiner Eltern im Juni 1942 tauchte er in Berlin unter. Nach seiner Flucht in die Schweiz absolvierte er eine Ausbildung zum Grafiker und arbeitete später in dem Beruf. Cioma Schönhaus starb am 22. September 2015, wenige Tage vor seinem 93. Geburtstag.

Helmut Kuhn

Helmut Kuhn

Helmut Kuhn, geboren 1962, studierte Geschichte und Publizistik in Berlin und Paris. Er arbeitete bei der deutsch-jüdischen Zeitschrift Aufbau in New York und lebt heute als freier Journalist und Autor in Berlin. Kuhn schreibt u.a. für die Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Neue Zürcher Zeitung, Stern, Focus und mare. 2002 erschien sein vielbeachtetes Romandebüt Nordstern. Als Co-Autor verfasste er zusammen mit Murat Kurnaz Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantanamo (2007), über den John Le Carré schrieb: „Der mitfühlendste, ehrlichste und würdevollste Bericht über die Schande Guantanamo, den es je gegeben hat.“ Sein Roman Gehwegschäden erschien im Frühjahr 2012.
© Foto Oliver Kern

Termin

Do, 28.4.2015, 14:00 Uhr

Ort: Galli Theater | Map
Eintritt: 8,-€/erm. 6,-€

Tickets

17:00 Uhr

Shared Reading

Das vor über zwanzig Jahren in Liverpool entwickelte und in Großbritannien überaus erfolgreiche Konzept des gemeinsamen Lesens brachten Thomas Böhm und Carsten Sommerfeldt 2015 nach Deutschland. Gerade erst im März stellten sie dieses außergewöhnliche Lese-Erlebnis im Rahmen der Leipziger Buchmesse einem größeren Publikum vor. READ!BERLIN ist das erste Literaturfestival, das Shared Reading zu einem Betsandteil seines Programms macht.

Und so funktioniert’s: Gemeinsames Lesen einer Kurzgeschichte und eines Gedichtes mit ausreichend Zeit für ihre Wirkung. Literatur als sinnliche Erfahrung in kleiner Runde, in der besprochen wird, was man individuell wahrgenommen hat, aktiv teilnehmend oder einfach nur zuhörend.

Carsten Sommerfeldt

Carsten Sommerfeldt

Carsten Sommerfeldt koordinierte als Pressechef des Berlin Verlags (1996-2011) und der Verlagsgruppe Droemer Knaur (2011 – 2014) sämtliche große Pressekampagnen in Belletristik und Sachbuch , das Online-Marketing und die Social-Media-Aktivitäten. Zudem organisierte er zahlreiche Lesereisen mit internationalen SchriftstellerInnen und Persönlichkeiten wie Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer, Zeruya Shalev, Ingo Schulze, Richard Sennett, Margaret Atwood, Richard Ford und Hillary Clinton.
www.shared-reading.de

© Foto: Colin McPherson

Termin

Do. 28. April 2016, 17.00 Uhr

Ort: Galli Theatern | Map
Eintritt frei

19:00 Uhr

Warum eigentlich genug Geld für alle da ist

Stefan Mekiffer im Gespräch mit Philipp Grassmann

In der Pressemitteilung zu Mekiffers Buch steht: »Die Wirtschaft vom Kopf auf die Füße gestellt.« Womit die Richtung klar ist: Der ökonomische Status Quo wird grundsätzlich hinterfragt.

Mekiffer zeigt in seinem Buch, wie wir in Zukunft leben werden: mit Grundeinkommen, lokalen Währungen und Negativzinsen. Dafür bedarf es aber einer Neudefinition der Rolle des Geldes – von einem einengenden Instrument zu einem Mittel der Freiheit. Er präsentiert ein organisches Geldsystem. Eines, das ohne künstlichen Mangel und zwanghaftes Wachstum auskommt. Mekiffer liefert neue Denkansätze, die statt Krise und Kollaps eine Metamorphose der Wirtschaft versprechen. Sein Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Form der Ökonomie.

„Der Schatten der Verschuldung hat sich über die Welt gelegt. Verzinstes Kreditgeld ist ein expansives System, das sein eigenes Ableben durch seine Ausbreitung verzögert. Und auch wenn ich es begrüße, dass Geld, nun universell geworden, die Welt überbrückt, unsere Leben miteinander verbindet und so die Erkenntnis nährt, dass wir Menschen alle voneinander abhängen, zu einer Familie gehören und Schwestern und Brüder sind, so grämt es mich, Teil von etwas zu sein, was unendliches unnötiges Leid verursacht. Was in der Welt werden wir noch verkaufen, bevor die Maschine zum Stillstand kommt?“ (Mekiffer, S. 154)

„Dieses Buch ist mutig und anregend, denn es enthält nicht nur eine pointierte Dogmenhistorie der Ökonomik, sondern wartet mit einem Vorschlag zur Transformation des Geldwesens auf, der sicherlich heftige Diskussionen auslösen wird.“ Prof. Niko Paech („Befreiung vom Überfluss“)

 

 

Stefan Mekiffer

Stefan Mekiffer

Stefan Mekiffer, Jahrgang 1988, Studium der Wirtschaft, Kulturwissenschaften, Politikwissenschaften und Philosophie in Masstricht, Paris und Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Autor pflanzt er gerade einen Waldgarten und tritt als Klezmer-Musiker auf. Er lebt in Berlin und Waldeck.

© Foto: Paul-Heinrich Grönboldt

Philip Grassmann

Philip Grassmann

Philip Grassmann studierte Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin und der London School of Economics und besuchte die ASV-Journalistenschule. Seine journalistische Laufbahn begann er als Filmkritiker. Nachdem er als Redakteur bei der »Welt« tätig war, arbeitete er als Politikkorrespondent im Berliner Büro der »Süddeutschen Zeitung«, Seit 2008 ist er Chefredakteur des »Freitag«. Philip Grassmann lebt in Berlin.

© Foto: der freitag

Termin

Do, 28.4.2015, 19:00 Uhr

Ort: Galli Theater| Map
Eintritt: 8,- / erm. 6,- €

Tickets

21:00 Uhr

Lyrikabend

Komplexe Idyllen

Über tröstliche Dichtung – und ob es sie gibt.
Monika Rinck und Hendrik Jackson im Gespräch.

Wir wollen hier Monika Rinck selbst zu Wort kommen lassen. Da hilft kein Paraphrasieren: „Tröstliche Dichtung muss sich oft gegen den Kitschverdacht wehren, was ihr nicht immer gelingt. Aber kann es denn sein, dass der Schrecken vor Einzelheiten birst und dabei bestens funktioniert, der Trost aber leer und angegriffen herumsteht und immerzu aufgerufen ist, gegen den Vorwurf seiner Verlogenheit anzugehen? Das muss auch anders gehen. Aber wie?“ Wir freuen uns auf einen anregenden Lyrikabend.

 

 

Monika Rinck

Monika Rinck

Monika Rinck, geboren 1969 in Zweibrücken, studierte Religionswissenschaft, Geschichte und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Bochum, Berlin und Yale. Rinck lebt als Autorin in Berlin. Sie veröffentlichte Essays, Prosa und Gedichte in Zeitschriften und Anthologien. Ihre Arbeit wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Hendrik Jackson

Hendrik Jackson

Hendrik Jackson, geboren 1971, lebt als freier Autor, Übersetzer und Herausgeber (www.lyrikkritik.de) in Berlin.

Er veröffentlichte u.a. die Bände „brausende Bulgen – 95 Thesen über die Flußwasser in der menschlichen Seele“ (edition per procura), „Dunkelströme“ (kookbooks) sowie als Übersetzer aus dem Russischen Marina Zwetajewas Poem vom Ende/Neujahrsbrief (edition per procura). Zuletzt erschien „Im Licht der Prophezeiungen“ (kookbooks),
Außerdem im Herbst 2015 beim Merve Verlag „Helm aus Phlox“, u.a. gemeinsam mit Monika Rinck.
„sein gelassen – Parmenides-Notate“, ein tröstendes Buch, erscheint bald bei kookbooks.

Termin

D0, 28.4.2015, 21:00 Uhr

Ort: Galli Theater | Map
Eintritt: 8,- /erm. 6,- €

Tickets

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